Infantino unter Druck: UEFA bereitet Strafanzeige vor

Der Machtkampf an der Spitze des Weltfussballs eskaliert. Die UEFA bereitet in der Schweiz eine Strafanzeige gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino vor. Im Zentrum steht das inzwischen aufgegebene Projekt «FIFA Forward Enterprise», mit dem private Investoren an künftigen Einnahmen der FIFA beteiligt werden sollten. Die Vorwürfe wiegen schwer – strafrechtlich bewiesen ist gegen Infantino in dieser Angelegenheit bislang jedoch nichts.

Nach am Donnerstag bekannt gewordenen Gerichtsunterlagen wirft die UEFA Fragen zur finanziellen Führung der FIFA und zum geplanten Investorendeal auf. Der europäische Fussballverband hat in den USA gerichtliche Schritte eingeleitet, um Unterlagen von beteiligten Unternehmen und FIFA-Strukturen zu erhalten.

Die Dokumente sollen nach Angaben der UEFA bei der Vorbereitung möglicher rechtlicher Schritte in der Schweiz helfen. Damit erreicht der seit Wochen schwelende Konflikt zwischen Infantino und führenden Vertretern des internationalen Fussballs eine neue Eskalationsstufe.

4,2 Milliarden Dollar für 20 Prozent

Im Mittelpunkt steht das Projekt «FIFA Forward Enterprise». Die FIFA wollte einen Teil ihrer kommerziellen Aktivitäten und künftigen Einnahmen in einer neuen Gesellschaft bündeln. Private Investoren sollten sich daran beteiligen können.

Nach den vorliegenden Unterlagen stand eine Investition von rund 4,2 Milliarden US-Dollar für einen Anteil von 20 Prozent im Raum. Zu den möglichen Geldgebern gehörte die Investmentgesellschaft Thrive Capital.

Das Vorhaben stiess bei der UEFA und weiteren Fussballverbänden auf massiven Widerstand. Kritisiert wurden unter anderem die geplante Struktur, die Bewertung der kommerziellen Rechte sowie das Verfahren, mit dem mögliche Investoren ausgewählt werden sollten.

UEFA sucht in den USA nach Beweismitteln

Die UEFA will nun genauer nachvollziehen, wie das Projekt vorbereitet wurde, welche Personen an den Verhandlungen beteiligt waren und wie die finanziellen Bedingungen zustande kamen. Dafür wurden bei US-Gerichten Anträge gestellt, um Dokumente und weitere mögliche Beweismittel zu erhalten.

In den Gerichtsunterlagen wird ausdrücklich eine mögliche Strafanzeige in der Schweiz erwähnt. Ob die Schweizer Strafverfolgungsbehörden danach tatsächlich ein Verfahren eröffnen würden, ist derzeit offen. Für Infantino gilt die Unschuldsvermutung.

FIFA zog das Projekt zurück

Das umstrittene Projekt wird ohnehin nicht umgesetzt. Infantino erklärte Ende Juli, dass «FIFA Forward Enterprise» nicht weiterverfolgt werde. Die FIFA argumentierte, das Modell hätte zusätzliche kommerzielle Einnahmen erschliessen und dadurch mehr Geld für die Entwicklung des Fussballs in den 211 Mitgliedsverbänden bereitstellen können.

Der Konflikt berührt damit eine zentrale Frage über die Rolle und Verantwortung des Weltverbandes. Wie mächtig die Organisation inzwischen ist und welche Aufgaben sie im internationalen Fussball übernimmt, zeigt auch der Belmedia-Hintergrundbericht über die Geschichte, Aufgaben und weltweite Bedeutung der FIFA.

Widerstand gegen Infantino wächst

Auch politisch ist die Lage für den FIFA-Präsidenten schwieriger geworden. Sechs nordische Fussballverbände erklärten zuletzt öffentlich, ihr Vertrauen in Infantino verloren zu haben. Gleichzeitig wächst innerhalb der UEFA der Widerstand gegen eine weitere Amtszeit des Schweizers.

Die nächste FIFA-Präsidentenwahl ist für März 2027 vorgesehen. Infantino dürfte erneut antreten. Die UEFA hat allerdings signalisiert, eine glaubwürdige Gegenkandidatur unterstützen zu können.

Aus dem Streit um ein inzwischen gescheitertes Milliardenprojekt entwickelt sich damit zunehmend ein grundlegender Machtkampf um die Führung des Weltfussballs. Ob daraus zusätzlich ein Strafverfahren in der Schweiz entsteht, dürfte sich erst nach Abschluss der laufenden Beweissicherung zeigen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
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