Fünf Gegentore gegen Lugano – Getafe-Trainer wertet Schweizer Fussball ab
Der FC Lugano gewinnt in der Conference League auswärts bei Getafe mit 5:2 und wird anschliessend vom gegnerischen Trainer abgewertet. José Bordalás vergleicht die Tessiner nach der Niederlage mit einem spanischen Zweitligisten. Bereits nach Luganos 3:2 gegen Roter Stern Belgrad hatten die Reaktionen des Gegners für Diskussionen gesorgt. Warum fällt es manchen internationalen Gegnern so schwer, die Leistungen eines Schweizer Vereins anzuerkennen?
Dabei sprechen die Ergebnisse eine deutliche Sprache. Innerhalb einer Woche bezwingt Lugano zwei international erfahrene Mannschaften und erzielt dabei acht Tore. In Spanien trifft Albian Ajeti zweimal, dazu kommen Treffer von Yanis Cimignani, Uran Bislimi und Kevin Behrens. Die Mannschaft von Mattia Croci-Torti reagiert auf einen frühen Rückstand und gewinnt gegen den Vertreter der spanischen La Liga überraschend deutlich.
Die Aussagen aus Spanien werfen eine grundsätzliche Frage auf: Wird die Schweizer Super League international unterschätzt? Zwischen den finanziellen Möglichkeiten der grossen europäischen Ligen und jenen der Schweizer Vereine liegen erhebliche Unterschiede. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch auf die Qualität einzelner Mannschaften schliessen. Lugano liefert derzeit den sportlichen Gegenbeweis.
Bordalás spricht Lugano Zweitliga-Niveau zu
Nach der deutlichen Niederlage im eigenen Stadion zeigt sich Getafe-Trainer José Bordalás auf der Pressekonferenz ausgesprochen verärgert.
Der Spanier erklärt gegenüber den Medien, Lugano sei vom Niveau her mit einem Verein aus der spanischen Segunda División vergleichbar.
Dass seine Mannschaft gegen einen solchen Gegner fünf Treffer kassiert habe, sei für ihn nicht akzeptabel.
Der Vergleich ist besonders bemerkenswert, weil Lugano nicht nur durch individuelle Fehler der Gastgeber profitiert, sondern mit schnellen Kombinationen und konsequentem Umschaltspiel überzeugt.
Bordalás kritisiert vor allem die Kaderplanung und den Leistungsunterschied zwischen Stammspielern und Ersatzkräften.
Getafe-Präsident widerspricht seinem Trainer
Die Niederlage löst beim spanischen Erstligisten inzwischen einen öffentlichen Konflikt aus.
Bordalás wirft der Vereinsführung vor, Zusagen bei der Zusammenstellung des Kaders nicht eingehalten zu haben.
Präsident Ángel Torres reagiert am Freitag deutlich. Gegenüber dem Radiosender Cadena SER weist er den Vorwurf zurück und bezeichnet die aktuelle Mannschaft sogar als den besten Kader, über den Getafe bisher verfügt habe.
Er macht ausserdem klar, dass der Trainer seinen Vertrag freiwillig unterschrieben habe.
Damit entwickelt sich Luganos Sieg auch für Getafe zu einer vereinsinternen Auseinandersetzung.
Auch Roter Stern suchte die Gründe anderswo
Eine Woche zuvor hatte Lugano bereits gegen Roter Stern Belgrad für eine Überraschung gesorgt.
Beim 3:2-Heimsieg gegen Roter Stern drehten die Tessiner einen Rückstand in den letzten Minuten.
Der damalige Gäste-Trainer Albert Riera konzentrierte sich nach der Niederlage vor allem auf die Schiedsrichterleistung und vergebene Torchancen.
Der Spanier erklärte, seine Mannschaft habe phasenweise deutlich besser gespielt. Gleichzeitig bestritt er ausdrücklich, Lugano unterschätzt zu haben.
Die Reaktionen unterscheiden sich somit: Riera kritisierte die Umstände der Niederlage, während Bordalás die sportliche Qualität des Schweizer Gegners direkt herabstufte.
Gemeinsam ist beiden Auftritten, dass Luganos Leistung in den Erklärungen der unterlegenen Trainer nur begrenzt Anerkennung fand.
Warum wird die Super League unterschätzt?
Eine wesentliche Ursache liegt in den unterschiedlichen wirtschaftlichen Dimensionen des europäischen Klubfussballs.
Vereine aus Spanien, England oder Deutschland verfügen häufig über grössere Einnahmen, international bekannte Spieler und wesentlich höhere Transferbudgets.
Die Schweizer Super League erhält dagegen international weniger Aufmerksamkeit.
Auch die UEFA-Fünfjahreswertung zeigt, dass die spanischen Vereine über längere Zeit insgesamt erfolgreicher gewesen sind als die Schweizer Vertreter.
Das ist jedoch kein verlässlicher Massstab für die Stärke einer einzelnen Mannschaft in einer bestimmten Begegnung.
Gerade gut organisierte Vereine können finanzielle Unterschiede mit taktischer Disziplin, Geschwindigkeit und einer klaren Spielidee ausgleichen.
Croci-Torti liefert die Antwort auf dem Platz
Luganos Trainer Mattia Croci-Torti bleibt nach dem Triumph in Spanien sachlich.
Er erklärt, dass seine Mannschaft auf den Spielaufbau gegen Getafe vorbereitet gewesen sei und die Räume hinter der gegnerischen Abwehr gezielt genutzt habe.
Die schnellen Gegenangriffe zum vierten und fünften Tor seien Bestandteil dieses Plans gewesen.
Zudem erinnert Croci-Torti daran, dass Lugano innerhalb von neun Jahren bereits fünfmal eine europäische Gruppen- beziehungsweise Ligaphase erreicht habe.
Der Tessiner Klub ist auf internationaler Bühne somit keineswegs unerfahren.
Auch die Unterstützung durch rund 600 mitgereiste Anhänger hebt der Trainer hervor.
Acht Tore sind ein sportliches Argument
Die beiden Europacup-Siege zeigen, dass Lugano mehr als nur einen Überraschungserfolg feiern kann.
Gegen Roter Stern beweist die Mannschaft Moral und dreht eine verloren geglaubte Begegnung.
In Getafe überzeugt sie mit Effizienz, Tempo und einer funktionierenden taktischen Organisation.
Einzelne Siege beweisen noch nicht, dass die Schweizer Super League mit den europäischen Spitzenligen gleichwertig ist.
Sie zeigen aber, dass Schweizer Vereine auf internationalem Niveau konkurrenzfähig sein können und nicht allein anhand ihres Herkunftslandes beurteilt werden sollten.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert